Audax del Friuli 2018

„Leif, möchtest Du mit mir nach Friuli kommen?“, fragte mich mein Freund Andreas Nagy vor über einem Jahr. Wie hätte ich diesem Angebot widerstehen können? Und so machten wir uns an einem Donnerstagabend auf den 1200km langen Weg vom Niederrhein in das nördlich von Venedig gelegene Friaul. Gegen Mittag erreichten wir den malerischen Marktplatz von Aviano, luden die Roller aus meinem VW Bus und verstauten unser Reisegepäck in einem Transporter des VC Aviano.

Der Motorenbauer und Clubpräsi in Benzingespräche vertieft

Da die Veranstaltung im Zeichen der 50er Jahre stand, war der Marktplatz entsprechend gestaltet und auch Massimo und seine Helfer vom Vespaclub Aviano waren in der Mode der 50er Jahre gekleidet.

Nach der Übergabe der Unterlagen und „Punzonatura“ unserer Roller war noch genügend Zeit um mit einigen der anderen Rollerfahrer einen Aperol zu trinken und Benzingespräche zu führen.

GS auf dem malerischen Marktplatz von Aviano

Die erste Etappe führte von Aviano aus uns direkt ins Gebirge. Hier rächte sich, dass ich keine Zeit mehr gehabt hatte, um die ContiKlassik Reifen von der GS gegen ordentliche Reifen auszutauschen: es hatte kurz genieselt und auf der kurvenreichen Strecke schmierten die Reifen beim Beschleunigen aus fast jeder Kurve weg. Kurz vor der abendlichen Zeitnahme mit einer 500 Meter langen No-Stop-Zone wurde es schon so dunkel, dass ich meine Uhr kaum noch lesen konnte – aber meine Taschenlampe aus dem Bordwerkzeug und ein Streifen Ducttape lösten das Problem.

Hübsche Vespen…

Am nächsten Morgen erfuhren wir, dass die Startzeiten frei gegeben worden waren, da die Straßen von nächtlichem Regen und Tau nass waren und die Veranstalter das Risiko von Unfällen verringern wollten.

Vespa GS in vollem Rally-Trim

Zum Glück blieb es aber den Rest des Tages trocken. Die gewählte Route  war ein Traum: Wunderschöne, kleine kurvenreiche Straßen in einer herrlichen Gebirgslandschaft, teilweise mit aufregenden Ausblicken, dazu alles sehr gut ausgeschildert, so dass wir die Karte im Roadbook in der Tasche lassen konnten. Fahrerischer Höhepunkt war eine Schotterstraße auf einem Hochplateau in 1800m Höhe – am Ende des zweiten Abends waren bis Tarvisio, 10 etwa 10km von der Österreichischen und Slovenischen Grenze entfernt.

Auch kulinarisch ließ die Rally nichts zu wünschen übrig: überall wurden wir mit leckeren italienischen Speisen versorgt – die Pasta mit Ragu am Mittagessen Samstag vermisse ich noch heute.

Start von Tarvisio

Leider führte eine Straßensperrung wegen eines Erdrutsches dazu, dass wir am Samstag keine Pässe fahren konnten und die meiste Zeit auf Landstraßen unterwegs waren – die Route war trotzdem sehr schön. Auch meine Vespa schlug sich tapfer, abgesehen von einem Kabelbruch am Lichtschalter.

Der Motor, den Andreas im Winter überholt hatte, fuhr herrlich. Obwohl ich nur den Zylinderkopf gegen ein Modell mit höherer Kompression ausgetauscht und eine elektronische Zündung eingebaut hatte, unterschieden sich die Fahrleistungen meiner GS nur minimal von denen meiner 200er PX – und das bei einer deutlich schöneren Charakteristik. So hatte in keinem Fall den Eindruck meine Freunde Andreas mit seiner über 20PS starken GS oder Nicola mit seiner Langhub-Pinasco-Faro Basso  auszubremsen. Ich hoffe sehr, auch 2019 wieder nach Italien eingeladen zu werden.

Tanken mussten wir auch ab und zu.